Ersatzteile für die Luftfahrt

Der Menschheitstraum vom Fliegen war von Beginn an eine Frage des Materials. Jedes Luftfahrzeug fliegt und fällt letztendlich mit dem Verhältnis von Gewicht und Stabilität. Schon die antiken griechischen Sagen wussten von Konstruktionsmängeln zu berichten: Ikarus, der fliegende Flüchtling aus der antiken griechischen Sage, wäre mit Sicherheit in Griechenland angekommen, wenn der Klebstoff seiner Flügelbespannung nicht versagt hätte. Und der Sonnenwagen des Sonnengottes Helios mit seinen vier Pferden muss eine trickreiche Kiste gewesen sein: Als jemand anders als Helios selbst dessen Urkräfte lenken wollte, nämlich sein Sohn Phaeton, soll hinterher halb Griechenland in Flammen gestanden haben.

Kein anderes Verkehrssystem ist so sehr den Gesetzen der Physik anvertraut wie die Luftfahrt. Und nirgendwo sonst ist der alte Satz „Ein Ganzes ist stets mehr als nur die Summe seiner Einzelteile“ so zeitlos aktuell wie auf den Flughäfen unserer Zeit. Die Summe all der Kräfte, die vom Start bis zur Landung auf ein Flugzeug und jedes seiner Einzelteile einwirkt, ist für menschliche Begriffe kaum fassbar. Nur eine harmonische Konstruktion kann diesen Belastungen auf Dauer standhalten. Dazu gehört die Vermeidung jeder unnötigen Eigenvibration, was durch den Einsatz hochspezialisierter Bauteile wie z.B. Linearkugellager erreicht werden soll. Doch jedes dieser Bauteile muss regelmäßig geprüft und beim geringsten Schaden oder Verschleiß gewechselt werden: Jeder Fehler an einem noch so kleinen Werkstück kann tödliche Folgen haben – für die eigene Maschine, aber auch für andere. Zwei Beispiele mögen genügen:

Am 27.Mai 1937 hielt die Drahtkabel-Verspannung des Luftschiffs „Hindenburg“ einer Gewitterbö nicht stand. Eines der Kabel riss entzwei, die jäh gelöste Spannung entlud sich in einem Peitschenhieb, der eine dicke Segeltuchwand zerfetzte wie Zeitungspapier. Aus dem Schlitz entströmte der hochkonzentrierte Wasserstoff des Zeppelins, der beim ersten Funken hochging – das Ende des ersten regelmäßigen Transatlantik-Dienstes.

Noch schlimmere Folgen hatte die Lamelle, die am 25.Juli 2000 auf dem Pariser Flughafen „Charles de Gaulle“ aus dem Triebwerk einer startenden Continental-Boeing geschleudert wurde. Sie landete unbemerkt auf dem Rollfeld und zerfetzte den Reifen der direkt hinter ihr startenden Concorde-Maschine. Deren Kerosintanks wurden von den Gummistücken zerrissen, der Absturz in ein Hotel tötete insgesamt 113 Menschen und lässt die Justiz bis heute nicht zur Ruhe kommen.

Aus diesem Grund gehören Ersatzteile für Luftfahrzeuge weltweit zu den am strengsten kontrollierten Produkten der Maschinenbau-Industrie. Was sich im Luftverkehr bewährt hat, findet auf der Erde überall Verwendung. Die oben erwähnten Linearkugellager etwa sind, durch ihre stetige Weiterentwicklung für Flugzeuge, sozusagen in früher ungeahnte Qualitäts-Höhen emporgetragen worden.